Nebenwirkung Sucht - wenn Medikamente krank machen


Viele nehmen sie - kaum einer spricht darüber: Schlafmittel, Beruhigungsmittel, Schmerzmittel. Was häufig verkannt wird, ist das hohe Abhängigkeitspotential, das in diesen Medikamenten steckt. Bei regelmäßiger und hochdosierter Einnahme ist die Entwicklung zur Sucht gleichsam vorprogrammiert. Auch niedrige Dosen können zu Abhängigkeit führen. Die oft unreflektierte Verschreibungspraxis von Ärzten unterstützt diesen Entwicklungsprozeß. Allein in Deutschland gibt es 1,4 Millionen Medikamentenabhängige, darunter eine hohe Anzahl an Frauen, älteren Menschen und Mehrfachabhängigen (abhängig von mehreren Suchtmitteln). Aber nur wenige von ihnen finden den Weg zur Suchtberatungsstelle oder erhalten sofort die richtige Hilfsmaßnahme.

Der blv. nahm sich bei seiner alljährlicher Herbsttagung dieses Thema an. Der Arzneimittelexperte Dr. Gerd Glaeske von der BARMER in Wuppertal referierte vor rund 100 Fachleuten der Suchtkrankenhilfe über Medikamentenabhängigkeit und Handlungsstrategien in vorbeugenden und im therapeutischen Bereich.

Aufgabe der Prävention sollte sein, in der Öffentlichkeit mehr Bewußtsein zu schaffen. Glaeske spricht von Prägung einer „Gegenöffentlichkeit", das heißt, eine aufklärende Kampagne der Pharmawerbung bewußt entgegenzusetzen. Es gilt auch klarzumachen, daß die Einnahme von stimmungshebenden und - beruhigenden Mitteln nicht immer nur eine Verbesserung bewirkt. Bei langfristiger Einnahme treten „Nebenwirkungen" auf - Sucht ist eine davon. Schon vom Kindesalter an sollten Alternativen zur Einnahme von Arzneimitteln aufgezeigt werden. In vielen Fällen können altbewährte Hausmittel helfen wie z.B. ein lauwarmes Bad für eine Entspannung, Johanniskraut-Tee bei Depressionen oder ein abendlicher Spaziergang bei Einschlafstörungen. Zum letztgenannten Punkt überlegt die Barmer Ersatzkasse, gemeinsam mit dem Badischen Landesverband gegen die Suchtgefahren eine Broschüre mit Alternativvorschlägen zu entwickeln.

Ärzte, Psychologen und Sozialarbeiter sollten sensibler für die Problematik von abhängigmachenden Medikamenten werden. Nur so ließen sich versteckte Abhängigkeiten aufdecken. Bei der Aufklärung von Unfällen könnte die Polizei ebenfalls vermehrt nachfragen. Immerhin seien bei rund 15 % der Verkehrsunfälle Benzodiazepine (Schlaf- und Beruhigungsmittel) mit im Spiel. Lo

Kontakt:

Marion Laging-Glaser, PSB Waldshut, Kaiserstr. 17, 79761 Waldshut-Tiengen, Tel. 07751/910150

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